1924
Die Kleider auf den Straßen des Landes verlieren an Strenge. Die Silhouette ist immernoch schmal, die Taille tief
und die "ideale" Figur knabenhaft, aber in den Kleidern sind nun Stoffeinsätze, die Röcke haben Volants
und die Säume rutschen hoch genug, um die Waden zu zeigen. Auch der Stil der Herren ändert sich sichtbar. Zunehmend
wird der Anzug aus einreihigem Sakko, Weste und gestreifter Hose getragen, der später Stresemann-Anzug genannt werden
wird. Und Reichtum zu zeigen ist nicht mehr peinlich. Die Herren tragen Mäntel mit Pelzfutter und Pelzkrägen und die
Abendgardrobe der Damen wird überbordend mit Stickereien, Straßsteinchen und Pfauenfedern geschmückt. Die Kleider
waren schon aufgrund ihres Eigengewichtes eng anliegend, dafür ärmellos. Zu den auffälligen Kleidern werden
natürlich Hüte oder zumindest breite Stirnbänder getragen, die wieder Platz für Glitzer und Federn bieten und die
kürzeren Säume bieten Gelegenheit, auffällge Schuhe aus Silberbrokat, gefärbten Pfauenfedern und mit Straßschnallen
verziert vorzuzeigen - in der Mode haben ganz offensichtlich die goldenen 20-er Einzug gehalten.
Wirtschaftlich stabilisiert sich die Lage zunehmend und die Moderne hält Einzug in den Alltag der Menschen. In Berlin
nimmt die erste elektrische S-Bahn den Betrieb auf und die erste Funkausstellung findet statt. Überall in der Welt
werden Rundfunkanstalten gegründet und in Frankreich ist ein Hubschrauber 736 Meter geflogen - am Stück. Nicht am
Stück, sondern in Etappen ist die erste Weltumrundung im Flugzeug gelungen - zwei der vier gestarteten Maschinen
sind wieder an ihrem Startpunkt in Seattle gelandet und das erste FAX ist über den Atlantik geschickt worden.
In Deutschland wird die Großdeutsche Volksgemeinschaft als Ersatz für die verbotene NSDAP gegründet und Hitler
wird wegen seines Putschversuches zwar vor Gericht gestellt, aber frei gesprochen. In der Sowjetunion stirbt Lenin
Stalin, vor dessen Skrupellosigkeit Lenin gewarnt hatte, übernimmt die Macht. In den USA stößt J. Edgar Hoover die
Gründung des FBI an und wird dessen Chef.
Die Jahresmedaille der B. H. Mayer's Hof-Kunstprägeanstalt Pforzheim
1925
Material: Bronze, Maße: 41,9 x 72,4 mm, Dicke: 4,2 mm, Gewicht: 64,4 gr.
Die Medaille ist hochkant rechteckig. Umrandet ist sie mit einem Schmalen erhabenen Rahmen. Dieser Rahmen
grenzt auch die zweizeilige Aufschrift "B H MAYER's HOF-KUNST-PRÆGE-ANSTALT PFORZHEIM" ab.
Am oberen Rand des Motives ist ein Zeppelin dargestellt. Die linke Seite wird von der Darstellung eines
Dreimasters auf bewegten Wellen mit der Freiheitsstatue im Hintergrund eingenommen. Darunter steht zweizeilig
"NEUJAHR 1925". Das Hauptmotiv ist rechts angeordnet. Es ist eine nackte Frau, auf die der Betrachter
von halblinks blickt. Ihr linker Fuß steht auf dem Rahmen und das Bein ist durchgestreckt. Ihr rechter Fuß
steht erhöht auf einem Fels oder Stein , das Knie ist gebeugt und über ihrem Schenkel liegt ein Tuch,das
ihre Blöße bedeckt. Auf der Höhe ihres Brustkorbes befindet sich eine Empore, auf der die Frau ihren linken
Unteraram abgelegt hat. Ihre Schultern sind zurückgelehnt, der Kopf in den Nacken gelegt und ihr Blick folgt
ihrem rechten Arm, der zum Luftschiff empor ausgestreckt ist. Ihr langes welliges Haar hängt an ihrer linken
Körperseite bis zur Hüfte herab. Hinter ihrem linken Bein stht ein Amboß, an den ein Rad und ein großer Hammer
gelehnt stehen. Ganz außen sitzt eine große nach rechts blickende Eule auf dem Amboß und zwischen ihr und der
Frau hängt eine Blumenranke von der Empor herab. Unterhalb des Luftschiffs, links und rechts vom Arm der Frau
steht der Schriftzug "EINST UND JETZT".