1917
Auf den Straßen Europas ist die vorherrschende Kleidungsfarbe inzwischen Schwarz und man sieht fast nur noch Frauen.
Der Mangel in Deutschland hat auch die Kleidungsindustrie erreicht und die Reichsbekleidungsstelle, die aus
dem "Deutsches Modeamt" hervorgegangen ist, erlässt Vorschriften, über wieviel Kleidungsstücke der
Einzelne noch verfügen darf - bis hin zur Höchstzahl von sechs Taschentüchern. Nur Hüte sind nicht eingeschränkt
und perfiderweise werden Trauerhüte sogar beworben.
Nur wenige Ereignisse schaffen es, den Krieg aus den Schlagzeilen zu verdrängen. Auf Bali sterben rund 15.000
Menschen bei einem Erdbeben, in Indien ertrinken rund tausend Menschen beim Bruch der Tigra-Talsperre, in Halifax
explodiert der Sprengstofffrachter "Mont Blanc", fordert 2.000 Todesopfer und ist somit die bisher größte
menschengemachte Katastrophe.
Anderes ruft größere Aufmerksamkeit hervor: daß Mata Hari verhaftet wird und in Portugal zehntausende dem
"Sonnenwunder" beiwohnen. Oder daß Zar Nikolaus der II. zum Rücktritt gezwungen und am Ende des Jahres
aus der russischen Monarchie eine Diktatur des Volkes wird.
Aber alles wird von den Kriegsnachrichten überdeckt. Vom Eintritt der USA in den Krieg, nachdem die
"RMS Laconia" von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, über die Kriegserklärung Siams gegen Deutschland und
die Eroberungen von Bagdad und Jerusalem durch Großbrittanien vom Osmanischen Reich, bis hin zu detaillierten Berichten
über einzelne Schlachten...
Die Jahresmedaille der B. H. Mayer's Hof-Kunstprägeanstalt Pforzheim
1918
Die Basis ist eine rechteckige Platte mit abgeschnittenen Ecken. Im Zentrum ist ein nach rechts gewandtes Frauenprofil.
Das mittellange, offene, wellige Haar ist mit Federn umkränzt und über die Schultern erkennt man einen mit einer
Spange geschlossenen Umhang.
Um die Seiten und die Oberkante zieht sich ein Spruchband: "NACH VIELER NOT SEI UNS BESCHIEDEN DAS TÄGLICH BROT IN EHRENVOLLEM FRIEDEN"
An der unteren Kante steht "BH MAYERS HOF KUNSTPRÄGEANSTALT PFORZHEIM NEUJAHR 1918"