1920
Es gibt wieder Schuhe. Doch davon abgesehen tragen die Männer immernoch umgearbeitete Uniformen. Die Taillen
sitzen hoch und die Schultern sind betont breit, auch, wenn der Mangel an den Körpern der Menschen deutlich sichtbar ist.
Der Bubikopf, der vor wenigen Jahren durch Gabrielle "Coco" Chanel in Frankreich salonfähig
gemacht wurde, taucht dank Asta Nielsen auch immer öfter auf Deutschlands Straßen auf. Die Röcke sind
oft gewagt kurz, also sie enden zwischen Knie und Wade. Die Hüften werden durch Tunnelfalten und aufgesetzte
Taschen extrem betont. Tagsüber bevorzugen die Frauen schlicht-elegante Mantelkleider, doch abends wird alles
getan, um Mangel und Trauer zu verdrängen. Die Kleider sind bunt und glitzern. Lange Perlenketten, große Federn und Brokat
sind die Regel.
Gesellschaftspolitisch ist aber noch längst kein Frieden eingetreten. Die Versailler Verträge werden nicht gut angenommen.
Insbesondere werden die hohen Reparationen als ungerecht empfunden und die Soldaten sind sind zum Teil nicht bereit, ihre
Waffen abzugeben. In München wird die NSDAP gegründet, in Berlin putscht Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp
und vertreibt die Regierung aus der Stadt und die Reichswehr marschiert ins Ruhrgebiet ein, um den kommunistischen
Aufstand niederzuschlagen, der als Reaktion auf den Kapp-Putsch ausgebrochen war. Bei den Reichstagswahlen erstarken
die rechten Kräfte.
In Antwerpen finden die Olympischen Spiele - ohne Deutschland - statt, die Republik Österreich wird offiziell gegründet
und der polnisch-sowjetische Krieg endet - daß in China 200.000
Menschen in einem Erdbeben sterben, wird in Europa kaum zur Kenntnis genommen.
Die Jahresmedaille der B. H. Mayer's Hof-Kunstprägeanstalt Pforzheim
1921
Material: Metall, Maße: 49,5 x 41,2 mm, Dicke: 3,6 mm, Gewicht: 32,5 gr.
Auf einer rechteckigen Basis mit abgeschrägten Ecken ist ein nach links gerichteter Zentaur mit einem Füllhorn dargestellt.
Das Füllhorn ist ebenso lang, wie der Zentaur, dessen muskulöser Oberkörper sich vom Betrachter abwendet, weil der rechte Arm
den hinteren Teil des Füllhorns hält. Durch die Körperdrehung wird das Gesicht des Zentauren halb verdeckt und sein halblanges
Haar weht. Die Vorderhufe des Pferdekörpers schlagen durch die Luft und aus dem Füllhorn fallen Früchte, darunter steht die
Jahreszahl 1921.
Entlang der Kante, abgesetzt durch eine enge Reihe Pünktchen, steht der Text "AUFRICHTIGEN GLÜCKWUNSCH ZUM NEUEN JAHR"
und an der unteren Kante "B.H.MAYERs HOF-KUNST-PRÄGE-ANSTALT PFORZHEIM"